Lars: «Das Arbeitsklima an der Schule lässt sich am ehesten mit der selbstverständlichen Hilfsbereitschaft in einer sehr großen Familie beschreiben.»​

Lars

Ich bin noch nie zuvor in Asien gewesen, als ich im Februar 2018 auf Bali landete. Das erste was ich bemerkte, war die warme und feuchte Luft, die mir entgegenschlug als ich die Kabine des Flugzeugs verließ. Die Temperaturen sind aufgrund der Lage am Äquator das ganze Jahr über relativ konstant bei etwa 30 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit liegt bei ungefähr 90 Prozent. Während meines Aufenthalts gewöhnte ich mich aber schon in den ersten zwei Wochen an den großen Klimaunterschied zu Deutschland.

Am Flughafen wurde ich von der Schulleiterin und ihrer Tochter herzlich in Empfang genommen und ohne Umwege zu meiner Unterkunft gebracht. Ich hatte mich im Vorfeld darauf eingestellt in einfachsten Verhältnissen zu leben. Umso mehr war ich begeistert, dass ich in einem komfortablen „Guesthouse“ einquartiert wurde. Hier gab es eine Klimaanlage, ein hervorragendes Badezimmer, ein großes Bett, einen Wäscheservice und eine Küche zur gemeinsamen Benutzung mit den anderen 14 Bewohnern des Hauses.

Am ersten Schultag wurde ich von einem Lehrer mit dem Roller abgeholt. An der Schule wurde mir auch ein Roller übergeben, mit dem ich während meiner Zeit auf Bali sehr viel unterwegs war und viele schöne Orte besuchen konnte. In der gesamten Zeit hatte ich keinen einzigen Unfall, weswegen ich mir vor meiner Reise etwas Sorgen gemacht hatte. Man erlernt recht schnell die Gesetzmäßigkeiten auf den Straßen von Bali und dann macht es auch viel Spaß, da man mit dem Roller sehr viel schneller von A nach B kommt als mit dem Auto.

Meine Aufgabe in der Schule bestand zum einen darin, den Sportunterricht mitzugestalten. Dieser findet immer in den kühleren Vormittagsstunden statt in einem Sportzentrum in der Nähe der Schule. Ich konnte Aufwärmspiele einbringen, die ich während meiner Zeit als Handballspieler und in der Schule gelernt hatte. Auch wenn es sehr warm war, hat es mir besonders viel Freude bereitet, bei den Spielen mitzuspielen. An einem Tag gab es auch ein Fußballturnier mit der gesamten Schule, was ich besonders in Erinnerung behalten habe. Es war nicht immer einfach, Anweisungen zu geben, da ich ja kein indonesisch sprach, aber die Sportlehrerin hat mir natürlich geholfen. 

Zum anderen, habe ich zusammen mit einer weiteren Volontärin den Deutschunterricht für die dritte und vierte Klasse übernommen. Für jemanden wie mich, der ohne einen Hintergrund als Lehrer an die Bintang Timur Schule gekommen ist, war es am Anfang etwas schwierig, herauszufinden, wie der Lernstand der Schüler ist und was man mit ihnen erarbeiten kann. Beim Unterricht war auch immer ein indonesischer Lehrer dabei, der den Schülern etwas auf indonesisch erklären konnte, falls das nötig war. 

Das Arbeitsklima an der Schule lässt sich am ehesten mit der selbstverständlichen Hilfsbereitschaft in einer sehr großen Familie beschreiben. Wenn man mal ein Problem hatte und nicht wusste, wie man den nun einen Deutschtest gestalten sollte, waren andere Volontäre und Lehrer gerne bereit zu helfen und ihre Erfahrungen zu teilen. Dies war etwas, woran ich mich erst gewöhnen musste, da hier das Verhältnis zu meiner Vorgesetzten und den anderen Lehrern viel weniger förmlich war als ich es aus deutschen Schulen und deutschen Verhältnissen allgemein kannte. Zurückblickend muss ich sagen, dass mir diese Herangehensweise gut gefiel und in einer Schule gut aufgehoben ist. Hier hatte ich die Möglichkeit, meine deutsche Komfortzone ein wenig zu weiten. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass Indonesien ein Entwicklungsland ist und man hier und dort von deutschen Vorstellungen und Erwartungen abrücken muss.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an der Bintang Timur School auf Bali sein durfte. Die Arbeit mit den Kindern hat mich fasziniert und begeistert, weil es in Indonesien nicht selbstverständlich ist, dass jedes Kind eine Schulbildung bekommt. Ich habe gelernt, wie man sich mit Menschen verständigt, deren Sprache man nicht spricht und gesehen, wie man dem Tag mit einem Lächeln begegnen kann, auch ohne das neueste Smartphone in der Tasche.

Lars K. Wetz, Aufenthalt im Februar 2018

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